VRR nimmt Unterschriften entgegen
Verbund fordert DB auf, nicht nur auf Gewinnmaximierung zu achten
Gelsenkirchen, 09. Juli 2008
In Gelsenkirchen nimmt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) heute im Rahmen einer Betriebsversammlung der Beschäftigten der DB Regio NRW eine Unterschriftenliste entgegen. Hintergrund dieser Übergabe ist die Befürchtung der Beschäftigten bei der DB Regio NRW, dass sich die Kündigung des Verkehrsvertrages durch den VRR auf ihre Arbeitsplätze auswirken könnte. Der VRR hat Verständnis für die Sorgen der DB-Mitarbeiter, ist jedoch nicht der richtige Adressat für diese Aktion. Vielmehr sollten sich die Mitarbeiter und die Gewerkschaften nach Meinung des VRR mit ihrem Anliegen direkt an die Führung der Deutschen Bahn wenden: „Wenn die DB Regio NRW unseren Forderungen nach verbesserter Qualität endlich nachkommen würde anstatt nur auf Gewinnmaximierung zu achten, wäre dies die bestmögliche Maßnahme zum Arbeitsplatzerhalt, den das Unternehmen seinen Mitarbeitern bieten könnte. Denn eine gute betriebliche Leistung, guten Service, Sicherheit und vernünftige Kundeninformation erreicht man nur durch gut ausgebildetes Personal in ausreichender Anzahl“, stellt VRR-Vorstand Martin Husmann klar.
Vor einigen Wochen hatte der VRR bei umfangreichen Stichproben den Einsatz von Sicherheits- und Servicepersonal in S-Bahnen nach 19 Uhr analysiert und festgestellt, dass die DB anstelle der vertraglich vereinbarten 90 Prozent tatsächlich nur 17 Prozent erreicht. „Eine solche indiskutable Quote zeigt doch, dass es der DB nicht um den Erhalt von Arbeitsplätzen oder die umfangreiche Betreuung der Fahrgäste geht, sondern in erster Linie um Kosteneinsparungen auf dem Rücken ihrer Angestellten und unserer Kunden“, so Husmann. Der VRR hatte darauf hin die Notbremse gezogen und am 12.06.2008 den Vertrag mit DB Regio NRW wegen grober Vertragsverletzung fristlos gekündigt.
VRR hat Einsatz von Sicherheits- und Servicekräften erneut überprüft
Doch trotz dieser Vertragskündigung hat sich der Zustand beim Einsatz von Sicherheits- und Servicekräften in S-Bahnen nach 19 Uhr nicht verbessert. VRR-Mitarbeiter haben am letzten Donnerstag, dem 03.07.2008, insgesamt neun S-Bahnlinien im Verbundgebiet überprüft. Das Ergebnis war erneut erschreckend: Bei den 45 zeitgleich durchgeführten S-Bahn-Fahrten der Mitarbeiter wurden nur acht Sicherheits- und Serviceteams der Deutschen Bahn in den Zügen angetroffen. Das entspricht einer Bestreifungsquote von 18 Prozent. „Die Deutsche Bahn hat also trotz unserer fristlosen Vertragskündigung an diesem unhaltbaren Zustand nichts verändert. Würde sie die ursprünglich im Vertrag vereinbarte Quote von 90 Prozent dauerhaft erbringen, wären bei den Sicherheits- und Servicekräften nicht nur alle bisherigen Arbeitsplätze gesichert, sondern es müsste wahrscheinlich sogar noch zusätzliches Personal eingestellt werden“, vermutet Husmann.
Mit Verwunderung nahm der VRR zudem vor einigen Wochen die Meldung zur Kenntnis, dass es der DB Regio NRW im Jahr 2007 gelungen ist, den Gewinn um 20 Millionen Euro auf 85 Millionen Euro zu steigern. Und dies, obwohl die öffentlichen Finanzmittel für den Schienenpersonennahverkehr in NRW rückläufig sind und der VRR bereits seit April 2007 Millionenzahlungen an die DB zurückhält. „Wie sonst, wenn nicht durch Einsparungen im Bereich Personal und vor allem bei Sachmitteln ist dieser sprunghafte Gewinnanstieg zu erklären“, wundert sich Husmann. „Wir erleben vor Ort engagierte und motivierte DB-Mitarbeiter. Es entsteht jedoch der Eindruck, dass ihnen aufgrund fehlender Mittel im täglichen Betrieb oftmals die Hände gebunden sind. Und was nutzt ein motivierter Mitarbeiter, wenn ihm der Besen fehlt, um den Zug zu reinigen“, so Husmann abschließend.



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